17. Juli 2026 | Tiantian Wu | Themenartikel
Deutschland und China können im Bereich der Rehabilitationsmedizin voneinander lernen und haben eine solche Zusammenarbeit bereits durch einen intensiven bilateralen Erfahrungsaustausch in die Wege geleitet. Beide verfügen jeweils über unterschiedliche Stärken. Der fachliche Austausch birgt für beide Seiten ein enormes Potenzial. Das deutsche Rehabilitationssystem gilt international als Vorbild. Chinesische Einrichtungen wie das Beijing Huasheng Rehabilitationskrankenhaus zeigen großes Interesse an den strukturierten Betriebsmodellen deutscher Rehabilitationseinrichtungen, den Konzepten der evidenzbasierten Medizin (z. B. der modernen präoperativen Rehabilitation), den ausgereiften Krankenhausstandards sowie den transparenten Qualitätssicherungsmechanismen. Auf der anderen Seite treibt China die Digitalisierung und den Einsatz von Rehabilitationstechnologien mit rasantem Tempo voran, wobei das Konzept der Prävention bereits tief im lokalen Gesundheitssystem verwurzelt ist. Die Einbindung von Elementen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) in moderne ganzheitliche Behandlungskonzepte ist ein weiterer interessanter Aspekt.
Beide Länder knüpfen aktiv Kontakte und intensivieren die Zusammenarbeit. So haben beispielsweise das deutsche Bundesgesundheitsministerium und die chinesische Nationale Gesundheitskommission durch die Verabschiedung eines offiziellen Aktionsplans ihre Kooperationsbeziehungen weiter gefestigt. Auch in der Region um Freiburg gibt es äußerst praxisnahe Ansatzpunkte für die Zusammenarbeit: Experten der Rheintal-Klinik bei Bad Kroizingen sowie des Universitätsklinikums Freiburg beteiligen sich aktiv am Deutsch-Chinesischen Rehabilitationsforum, um gemeinsam die Qualität der Patientenversorgung und -behandlung weiter voranzutreiben. Um den wissenschaftlichen Austausch zwischen Krankenhäusern, Fachleuten und Studierenden weiter zu vertiefen, wurde zudem eine spezielle Organisation gegründet: Die Deutsch-Chinesische Gesellschaft für Rehabilitation (DCGR) hat es sich zur Aufgabe gemacht, den direkten fachlichen Dialog zu fördern und internationale Symposien zu organisieren; sie unterstützt unter anderem den gezielten Wissenstransfer sowie Austauschprogramme für Ärzte.
China kann von Deutschlands bidirektionalem Überweisungsmechanismus, seinen Konzepten der präventiven und proaktiven Rehabilitation, seiner konsequenten interdisziplinären Zusammenarbeit und seinem umfassenden Krankenversicherungssystem lernen.
Die aus Deutschland stammende „Medizinische Trainingstherapie“ (MTT) hat sich bereits weit verbreitet. Diese Therapie verlagert den Schwerpunkt von der passiven Physiotherapie hin zu einem biomechanisch fundierten aktiven Muskeltraining (aktive Rehabilitation) und hilft den Patienten dabei, ihre Bewegungs- und Berufstätigkeitsfähigkeit wiederzuerlangen.
Stärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit und der Fachkräfteausbildung: In der deutschen Rehabilitationsmedizin wird großer Wert auf interdisziplinäre Teams gelegt. Die Erstversorgung wird nicht nur von Ärzten übernommen, sondern umfasst auch Rehabilitationsmediziner, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Psychotherapeuten.
Qualifikationsstandards: In Deutschland ist der Beruf des Rehabilitationstherapeuten ein anspruchsvoller und eigenständiger Beruf mit strengen Ausbildungsanforderungen (einschließlich Bachelor, Master und Weiterbildung). China könnte die Professionalisierung des Berufsbildes der Rehabilitationstherapeuten weiter verbessern und das Niveau der standardisierten Ausbildung sowie der klinischen Praxis anheben.
Verbesserung des Abrechnungs- und Bewertungssystems für Rehabilitationsleistungen im Rahmen der Krankenversicherung: Das deutsche RehabilitationssystemwirddurchdiegesetzlichePflichtkrankenversicherung
unterstützt, wodurch der Zugang der Bevölkerung zu Rehabilitationsmaßnahmen gewährleistet ist. Die Abrechnungsrichtlinien der Krankenversicherung wurden optimiert und eine Reform der Erstattungsmodalitäten entsprechend der Art der Erkrankung und des Therapieerfolgs werden geprüft. Dies würde nicht nur die Akutversorgung abdecken, sondern auch die finanzielle Absicherung bei der Langzeitrehabilitation gewährleisten und somit ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement ermöglichen.
Tiefgreifende Integration intelligenter Geräte und digitale Verwaltung: Deutsche Rehabilitationseinrichtungen nehmen im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung eine Vorreiterrolle ein (beispielsweise durch das intelligente Test-und Trainingssystem MILON, Ganganalysen sowie Systeme mit virtuellen Szenarien). Durch die Einführung fortschrittlicher intelligenter Rehabilitationshardware und den Einsatz von IoT- und
Big-Data-Technologien lässt sich ein geschlossenes Managementsystem für den Rehabilitationsprozess und die Qualitätskontrolle bei Patienten aufbauen, wodurch das Ungleichgewicht zwischen den Investitionen in die Rehabilitation und der Qualität der Dienstleistungen behoben werden kann.
Was man von China lernen und sich zum Vorbild nehmen kann:
Die deutsche Rehabilitationsbranche nimmt in den Bereichen Grundlagenforschung, klinische Genauigkeit und Ausbildung von Fachkräften weltweit eine führende Position ein. Angesichts der Herausforderungen durch die zunehmende Alterung der Bevölkerung und den Mangel an qualifizierten Fachkräften im Rehabilitationsbereich kann Deutschland jedoch wichtige Erkenntnisse aus der rasanten Entwicklung der chinesischen Rehabilitationsbranche in Bereichen wie Intelligenz, Digitalisierung und Lebenszyklusmanagement gewinnen.
Der großflächige Einsatz von Rehabilitationsrobotern und intelligenten Hilfsmitteln:
Der chinesische Markt für Rehabilitationsroboter befindet sich derzeit in einer Phase explosiven Wachstums und ist führend bei der Forschung, Entwicklung und kommerziellen Anwendung von Exoskelett-Robotern (für die oberen und unteren Gliedmaßen), intelligenten bionischen Gelenken sowie Geräten zur Überwachung mehrerer Vitalparameter. Führende chinesische Unternehmen wie Fuliye Intelligence und DaAi Robotics haben dazu beigetragen, dass verschiedene Robotertypen den Weg aus dem Labor gefunden haben und nun in Krankenhäusern und Rehabilitationszentren aller Ebenen weit verbreitet sind, wodurch der enorme Mangel an qualifizierten Rehabilitationstherapeuten wirksam ausgeglichen wird. Deutschland kann von Chinas Erfahrungen bei der Serienproduktion und klinischen Umsetzung intelligenter Hilfsmittel lernen, um die Verbreitung von Spitzentechnologie in der klinischen Praxis zu beschleunigen.